Fibromyalgie-Syndrom als Ursache für Muskelverspannungen

Fibromyalgie-Syndrom

als Ursache für Muskelverspannungen

Das Fibromyalgie-Syndrom, auch als Fibromyalgie bekannt, ist eine komplexe Erkrankung, die mit chronischen Schmerzen im gesamten Körper einhergeht und wörtlich übersetzt so viel bedeutet wie „Muskelfaser­schmerz“. Diese Schmerzen sind nicht auf bestimmte Muskeln oder Gelenke beschränkt, sondern betreffen viele verschiedene Bereiche des Körpers.

Neben den weit verbreiteten Muskelschmerzen sind weitere Begleit­symptome charakteristisch für Fibromyalgie, zu denen anhaltende Erschöpfung und psychische Beschwerden gehören. 

Die Erkrankung entwickelt sich oft über Jahre hinweg, und im Laufe der Zeit können immer mehr Symptome hinzukommen oder verstärkt auftreten.

Bei einigen Betroffenen verläuft die Fibromy­algie schubartig, wobei Phasen intensiver Schmerzen mit symptomfreien Zeiträumen oder milden Beschwerden abwechseln. Ein solcher Schub kündigt sich häufig durch ein allgemeines Krankheits­gefühl an, ähnlich wie bei einer Grippe.

Der Leidensdruck bei Menschen mit Fibromyalgie ist hoch, da die Symptome nicht nur körperlich belastend sind, sondern auch das alltägliche Leben und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen können. Der Weg zur Diagnose gestaltet sich oft als langwierig und herausfordernd, da die Symptome unspezifisch sein können und es kein spezifisches diagnostisches Verfahren gibt.

Eine umfassende Betreuung durch medizinische Fachkräfte, die sich mit dieser Erkrankung auskennen, ist entscheidend, um eine genaue Diagnose zu stellen und geeignete Behandlungs­möglichkeiten zu finden. Darüber hinaus sind das Verständnis und die Unterstützung von Angehörigen und Freunden für Menschen mit Fibromyalgie für die Bewältigung der Symptome von großer Bedeutung.  

In dieser Rubrik gehen wir auf den Zusammen­hang zwischen einer Fibromyalgie und Muskelverspannungen ein und zeigen Ihnen, an welchen typischen Symptomen Sie eine Fibromyalgie erkennen können. Außerdem informieren wir Sie darüber, welche Schritte von der Anamnese bis hin zu einer Diagnose unternommen werden müssen, um andere Erkrankungen auszuschließen. Zudem geben wir Ihnen einen Überblick über therapeutische Maßnahmen, um die vielfältigen Beschwerden zu lindern. 

Frauen sind wesentlich häufiger betroffen als Männer.

Wie äußert sich Fibromyalgie in Form von Muskelverspannungen?

Muskelverspannungen sind ein weit verbreitetes Problem, das häufig durch eine Überan­strengung im Alltag, Beruf oder beim Sport auftritt. Jedoch können Muskel­verspannungen auch als unspezifisches Symptom von zugrunde­liegenden Erkrankungen auftreten. Die komplexe Fibromyalgie mit einem generalisierten Muskelschmerz stellt eine solche Erkrankung dar.

Diese Verspannungen gehen häufig mit einer Schon- oder Fehlhaltung einher und führen zu verkürzten Muskeln. Diese Verkürzungen und Verspannungen tragen dazu bei, den ohnehin schon bestehenden Schmerz zu verstärken. Was die Situation zusätzlich erschwert, ist der Teufelskreis, der zwischen Schmerz und Muskelverspannungen entsteht. Der Schmerz verstärkt die Verspannungen, da sich der Körper unbewusst in eine Schonhaltung begibt, um die schmerzenden Bereiche zu entlasten. Dies führt wiederum zu weiteren Muskelverspannungen, die den Schmerz weiter verschlimmern.

Dieser Zyklus kann dazu führen, dass die Betroffenen in einem ständigen Zustand von Schmerz und Anspannung gefangen sind. Hier ist es also entscheidend, diesen Teufelskreis zu durchbrechen, um die Lebensqualität von Patientinnen und Patienten mit Fibromyalgie zu verbessern.

Symptome und Diagnose der Fibromyalgie

Die Fibromyalgie ist eine komplexe Erkrankung, die sich durch eine Vielzahl von Symptomen äußert und oft eine Herausforderung für die Diagnosestellung darstellt. Um mögliche Symptome einer Fibromyalgie zu erkennen, betrachten wir im Folgenden die typischen Symptome und die diagnostischen Verfahren, die zur Identifizierung der Fibromyalgie verwendet werden.

Typische Symptome

Die Fibromyalgie ist eine komplexe Erkrankung des Muskel-Skelett-Systems, die sich durch eine Vielzahl von Symptomen auszeichnet. Betroffene können unterschiedliche Beschwerden und Schmerz­intensitäten haben. Außerdem können sich die Symptome im Laufe der Zeit verändern und in ihrer Intensität variieren. Zentrales Symptom der Fibromyalgie sind jedoch anhaltende Schmerzen im gesamten Körper, die für mindestens 3 Monate bestehen. Diese Schmerzen sind so stark, dass sie schwer zu ignorieren sind und die Lebensqualität sowie die Bewältigung des Alltags erheblich einschränken. 

Meist beginnen die Schmerzen im Rücken und breiten sich dann auch in Arme und Beine auf beiden Seiten des Körpers aus. Damit sind nicht nur beide Körperhälften, sondern auch Ober- und Unterkörper gleichzeitig betroffen. Zwar sind die Gelenke bei einer Fibromyalgie selbst nicht betroffen, jedoch können die umliegenden Bereiche der Gelenke wie z. B. Knie, Hüfte oder Hände dennoch schmerzen. Zu den Schmerzen kommt eine anhaltende Erschöpfung, die nicht durch ausreichend Schlaf und Ruhe gelindert werden kann. Zusätzlich auftretende Schlaf­störungen können Schmerzen und Erschöpfung noch weiter verstärken.

Zu den Hauptsymptomen zählen:

  • Muskelschmerzen
  • Gelenkschmerzen und Gelenksteifigkeit
  • Schlafstörungen
  • Chronische Erschöpfung (Fatigue)

Neben diesen zentralen Symptomen können weitere vielfältige Beschwerden im Zusammenhang mit Fibromyalgie auftreten. 
Dazu zählen u. a.:

  • Psychische Beschwerden wie innere Unruhe, Nervosität, Ängstlichkeit und Depression
  • Schmerzempfindlichkeit und Missempfindungen
  • Verspannungen im Rücken, Gesicht, Kiefer oder am Brustbein und Hinterkopf
  • Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen
  • Verdauungsbeschwerden (Durchfall, Verstopfung, Blähungen), Reizdarm
  • Reizblase
  • Herzrasen und Luftnot
  • Kopfschmerzen, Migräne
  • Allgemeine Überempfindlichkeit gegenüber äußeren Reizen wie Gerüchen, Geräuschen oder Temperatur
  • Geschwollene Hände und Füße
  • Verstärkte Menstruationsbeschwerden
  • Hautprobleme

Im Normalfall führt eine Fibromyalgie zu keiner körperlichen Behinderung und vermindert auch die Lebenserwartung nicht, da keine Schädigung der Muskeln und Gelenke vorliegt. Jedoch schränkt sie die Betroffenen in ihrem Alltag ein.

Diagnose

Bis Betroffene die Diagnose „Fibromyalgie-Syndrom“ erhalten, haben sie meist schon einen langen und mühsamen Weg hinter sich. Dies hängt neben den unspezifischen und vielfältigen Symptomen auch damit zusammen, dass es keinen diagnostischen Test für Fibromyalgie gibt und eine Diagnose vor allem durch Ausschluss anderer Erkrankungen erfolgen muss.  

Bei der Diagnose und Behandlung der Fibromyalgie als komplexer Erkrankung sind oft verschiedene Fachärztinnen oder Fachärzte involviert. Ein Rheumatologe ist jedoch eine wichtige Anlaufstelle bei Verdacht auf Fibromyalgie. Diese Fachärztinnen oder Fachärzte sind auf die Diagnose und Behandlung von rheumatischen Erkrankungen spezialisiert. 

Um eine Fibromyalgie festzustellen, werden die Ärztin oder der Arzt mehrere diagnostische Schritte durchführen. Zu Beginn wird eine Befragung zur bisherigen Krankheitsgeschichte und Lebenssituation durchgeführt, die auch als Anamnese bezeichnet wird. Dabei können bestimmte Schmerzskalen oder Fragebögen helfen, die Symptome zu bewerten. Während der folgenden körperlichen Untersuchung wird dann nach schmerzhaften Druckpunkten gesucht, den sogenannten „tender points“. Dies sind definierte Übergänge zwischen Muskeln und Sehnen, die im gesamten Körper vorkommen. Können durch Druck an mindestens 11 von insgesamt 18 dieser Punkte Schmerzen ausgelöst werden, deutet dies auf eine Fibromyalgie hin. Um andere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen (z. B. rheumatische Erkrankungen, multiple Sklerose, psychische Erkrankungen) auszuschließen, werden zusätzlich Bluttests und bildgebende Tests angewendet.

Was sind die Ursachen von Fibromyalgie?

Obwohl die Betroffenen unter starken Muskelschmerzen leiden, ist die Fibromyalgie keine entzündliche Gelenk- oder Muskelerkran­kung wie z. B. eine rheumatoide Arthritis. Das bedeutet auch, dass sich keine auffälligen Veränderungen oder Schädigungen bei der ärztlichen Untersuchung zeigen. Bisher ist nur klar, dass es bei Fibromyalgie-Patientinnen oder -Patienten zu einer gestörten Schmerzverarbei­tung im Körper kommt. Dadurch empfinden Betroffene Reize als schmerzhaft, die Gesunde nicht als Schmerz wahrnehmen würden. Die genaue Ursache dieser gestörten Schmerzverarbeitung ist bisher jedoch nicht vollständig verstanden. Allerdings scheinen mehrere Faktoren eine Rolle zu spielen, die das Risiko für eine Fibromyalgie erhöhen können. 

Dazu zählt Folgendes: 
 

  • Negativer Stress im Arbeitsleben und Alltag
  • Psychische Belastungen
  • Ungesunder Lebensstil mit Bewegungs­mangel, Übergewicht, Rauchen
  • Andere Erkrankungen wie entzündlich-rheumatische Erkrankungen
  • Bestimmte Genveränderungen
  • Vitamin-D-Mangel

Viele dieser Faktoren können auch einen negativen Einfluss auf den Verlauf und die Intensität der Beschwerden haben. So kann positiver ebenso wie negativer Stress beispiels­weise einen Schub auslösen. Aber auch die Reaktion von Angehörigen spielt eine große Rolle für die Betroffenen. Werden die Betroffenen nicht ernst genommen oder werden sie übermäßig geschont, kann dies sehr frustrieren und den Verlauf der Beschwerden beeinflussen. 

Behandlungsmöglichkeiten

Behandlungsmöglichkeiten

Das Fibromyalgie-Syndrom ist nicht heilbar, sodass eine Behandlung ausschließlich das Ziel verfolgt, Beschwerden und Schmerzen zu lindern. Dies soll es den Betroffenen ermöglichen, wieder vermehrt am alltäglichen Leben teilzunehmen und Lebensqualität zurückzugewinnen.

Da eine Fibromyalgie bei jeder Patientin und jedem Patienten anders verläuft, gibt es auch keine Therapie, die allen Betroffenen hilft. Jedoch gibt es verschiedene Ansatzpunkte, die bei der Linderung der Symptome helfen können. Ein ganzheitlicher Ansatz, der körperliche, emotionale und psychologische Aspekte berücksichtigt, kann dazu beitragen, die Lebensqualität Fibromyalgie-Patienten zu verbessern und ihnen dabei zu helfen, ihren Alltag besser zu bewältigen. Dazu ist oft nötig, dass verschiedene Fachärztinnen oder Fachärzte zusammen an dem Behandlungsplan für die Betroffenen arbeiten und sie bei der Therapie unterstützen.

Bewegung: Regelmäßige leichte körperliche Aktivität im Alltag kann die Beschwerden bei Fibromyalgie erheblich lindern und das allgemeine Wohlbefinden steigern. Es ist jedoch entscheidend, die körperliche Aktivität dem jeweiligen Gesundheitszustand anzupassen, ohne den Körper übermäßig zu belasten. Möglich sind z. B. Spazierengehen, Fahrrad­fahren, moderates Kraft- und Ausdauer­training, Yoga oder Tai-Chi.
Auch wenn die Bewegung manchmal Schmerzen verursachen kann, ist es wichtig, den Widerstand gegenüber leichten Sporteinheiten zu überwinden. Nur so kann ein Teufelskreis aus Bewegungsmangel und Schmerzen verhindert werden.

Ernährung: Eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung, die sich überwiegend aus pflanzlichen Nahrungsmitteln zusammensetzt, kann das Wohlbefinden bei vielen Betroffenen weiter steigern. Frisches Obst und Gemüse beinhaltet viele antioxidative Stoffe, die gesundheitsfördernd sind, während Fleisch, Zucker und Milchprodukte Entzündungsprozesse begünstigen können. Alkohol und Kaffee sollten außerdem nur selten und in geringen Maßen genossen werden.
Generell sollte eine Ernährungsumstellung jedoch immer mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Stressmanagement: Stress kann die Symptome der Fibromyalgie erheblich verschlimmern und spielt daher eine wichtige Rolle bei der Bewältigung dieser Erkrankung. Es ist bekannt, dass chronischer Stress die Schmerzempfindlichkeit erhöhen und die Muskel­verspannungen verstärken kann, die für Menschen mit Fibromyalgie bereits ein tägliches Problem darstellen. Entspannungstechniken wie Meditation, Yoga, gezielte Atemübungen und progressive Muskelentspannung können helfen, Stress abzubauen und die Symptome zu lindern.
Da jeder Mensch anders auf die verschiedenen Entspannungstechniken reagiert, ist es ratsam, verschiedene Methoden auszuprobieren, um diejenige Methode zu finden, die am besten zu den individuellen Bedürfnissen passt. 

Physikalische Therapien: Sowohl Wärme- als auch Kältebehandlungen werden von vielen Betroffenen als positiv empfunden. Massagen können vorliegende Muskelverspannungen lösen und damit den Teufelskreis von Schmerzen und Verspannungen durchbrechen. Bei geschwollenen Händen und Füßen kann wiederum eine Lymphdrainage lindernd wirken.

Medikamentöse Therapie: Medikamente werden in der Behandlung der Fibromyalgie nur unterstützend für eine begrenzte Zeit eingesetzt. 
Dazu gehören schmerzlindernde Opioide und Antidepressiva.

Psychologische Unterstützung: Viele Patientinnen und Patienten, die an Fibromyalgie leiden, erleben nicht nur chronische Schmerzen, Erschöpfung und Schlafstörungen, sondern sind auch mit psychischen Beschwerden wie Depressionen, Angstzuständen und Stress konfrontiert. Diese psychischen Belastungen können den Umgang mit der Krankheit noch komplexer gestalten. Qualifizierte Therapeuten oder Psychologen können dabei helfen, die emotionalen Herausforderungen der Fibromyalgie zu bewältigen.

Fazit

Die Fibromyalgie ist zweifellos eine komplexe und herausfordernde Erkrankung, die von anhaltenden Schmerzen im gesamten Körper begleitet wird und die Lebensqualität erheblich beeinflussen kann. Die Diagnosestellung gestaltet sich oft als schwierig, da es keine spezifischen Labortests oder bildgebenden Verfahren gibt, die die Erkrankung zweifelsfrei nachweisen können. Stattdessen stützt sich die Diagnose auf eine sorgfältige Anamnese, körperliche Untersuchungen und den Ausschluss anderer möglicher Ursachen für die Symptome.

Ein wesentlicher Aspekt bei der Bewältigung von Fibromyalgie ist ein ganzheitlicher Ansatz, der auf die individuellen Bedürfnisse der Patientin oder des Patienten zugeschnitten ist. Dies kann Bewegungs­therapie, Physiotherapie, Massagen, psychologische Unterstützung und Stressmanagement umfassen. Regelmäßige Bewegung und eine gesunde Lebensweise sind oft entscheidend, um die Symptome zu lindern.

Die Behandlung von Fibromyalgie erfordert Geduld und die Bereitschaft, verschiedene Ansätze und Therapiestrategien zu testen. Nur so können die Betroffenen herausfinden, was am besten für sie oder ihn funktioniert. Es ist wichtig, dass die Patienten und Ärzte gemeinsam an einem maßgeschneiderten Behandlungsplan arbeiten, um die Lebensqualität zu verbessern und die Symptome zu lindern. Mit der richtigen Unterstützung und einem eigenen Behandlungsplan können viele Menschen mit Fibromyalgie Wege finden, um trotz der Erkrankung ein erfülltes Leben zu führen.